In der Ausgabe der Neuen Westfälischen / Höxtersche Kreiszeitung vom 1. September berichtet die NW in einem Beitrag von Madita Schellenberg im Lokalteil Nieheim unter der Überschrift „Mahnmal-Pläne sind gescheitert“ von einer Sitzung des Pfarrgemeinderates der Kirchengemeinde St. Nikolaus Nieheim, dessen TOP 5 in öffentlicher Sitzung verhandelt wurde.
Dieser Bericht ist eine Zusammenstellung aus Leserbriefen, Auszügen unserer Pfarrnachrichten und mir unbekannten Quellen, gibt aber den Verlauf des Abends, der sehr sachlich abgehandelt und von den Anwesenden verfolgt wurde, nicht korrekt wieder.
Obwohl die NW gesetzlich zum Abdruck der Gegendarstellung verpflichtet ist, hat sie den Abdruck aus „formalrechtlichen und materiellrechtlichen“ Gründen abgelehnt. Stattdessen hat sie mir ein Interview angeboten, auf das ich mich nicht eingelassen habe.

So veröffentliche ich an dieser Stelle meine Gegendarstellung.

Gegendarstellung

Die NW schreibt: „Nach Streitigkeiten im Kirchenvorstand, die in der vergangenen Woche immer hitziger wurden, zog Pastor Heribert Ester den Antrag nun zurück.“
Gegendarstellung: Die Formulierung erweckt den Eindruck, als seien die unterschiedlichen Meinungen im Kirchenvorstand eskaliert.
Richtig ist:
Ich habe dem Kirchenvorstand am 23.08. ein Modell des Denkmals in Originalgröße vorgestellt. Es gab es einen interessierten Gedankenaustausch. Vor der Beschlussfassung gab der Vertreter des PGR im KV ein negatives Votum ab. Streit entstand lediglich zwischen ihm und mir über meine Feststellung, dass er mit diesem Votum nicht die Position des PGR wiedergab. In der Woche nach dieser Sitzung gab es keine weiteren Treffen, in denen ein Streit hätte „immer hitziger“ werden können.

Die NW schreibt: „Direkt an der katholischen Pfarrkirche ... wollten die Verantwortlichen um Karin Finkeldei, Vorsitzende des Gemeinderates ... das Denkmal aufstellen.“
Gegendarstellung:
Die Formulierung erweckt den Eindruck, als sei Frau Finkeldei die Vorsitzende der Planungsgruppe.
Richtig ist:
Die Planungsgruppe habe ich, als Pfarrer der Gemeinde, ins Leben gerufen. Frau Finkeldei war jedoch als Pfarrgemeinderatsvorsitzende Mitglied der Planungsgruppe. Einen Gemeinderat gibt es in unserer Gemeinde nicht. Frau Finkeldei ist Vorsitzende des Pfarrgemeinderates

Die NW schreibt: „... eine Diskussion entbrannte. Unter anderem sprach sich Stadtheimatpfleger Ulrich Pieper gegen den Standort aus.“
Gegendarstellung:
Die Formulierung erweckt den Eindruck, als habe es eine Diskussion gegeben, in der Herr Pieper zu Wort gekommen wäre.
Richtig ist:
Herr Pieper hat nur durch ein beabsichtigt lautes und gekünsteltes Räuspern meine Erklärung unterbrochen.

Die NW schreibt: „Vor ihrer Ermordung lebten jüdische Mitbürger im Herzen der Stadt, engagierten sich in Vereinen und verteilten ihr Hab und Gut sogar als Geschenke an ärmere Kommunionkinder, erzählte Ester in der Sitzung am Dienstagabend. Anders als damals wollen wir ihnen nun Schutz an unserer Kirche bieten.“
Gegendarstellung: Dieser Satz ist am Dienstagabend nicht gefallen.
Richtig ist:
Diese Aussagen habe ich an anderem Ort und zu anderer Zeit gemacht.

Die NW schreibt: „Doch aufgrund der Streitigkeiten ... werden die Unterstützer ihr Geld nun zurückbekommen.“
Gegendarstellung:
Dieser Satz ist nicht gefallen und erweckt den Eindruck, als sei das Projekt Mahnmal endgültig aufgegeben.
Richtig ist:
Sollte sich das Denkmal mittelfristig wirklich nicht mehr realisieren lassen, wird eine Rückzahlung selbstverständlich vorgenommen.

Die NW zitiert mich: „Um jenseits aller möglichen politischen Querelen zu bleiben, habe ich die Errichtung des Denkmals als ehrenvolle Aufgabe für die Kirche empfunden.“
Gegendarstellung:
Diese Wiedergabe meiner Ausführungen ist falsch.
Richtig lauteten meine Worte: Als ich im vergangenen Jahr nach der Gedenkstunde zu den Novemberpogromen erfuhr, dass seit über 20 Jahren es in Nieheim immer wieder gescheitert ist, den jüdischen Söhnen und Töchtern unserer Stadt, die in den Jahren des Naziterrors ermordet wurden, mit ihrem Namen einem würdigen Ort des Gedenkens zu geben, war mein spontaner Gedanke, dies könnte – jenseits aller politischen Querelen – eine ehrenvolle Aufgabe für unsere Kirchengemeinde sein.

Die NW schreibt: „Doch nicht nur die Mitglieder des Pfarrgemeinderates sind verärgert – auch diejenige, die zwar das Denkmal wollten, aber nicht vor der St.-Nikolaus-Kirche, sind wütend.“
Gegendarstellung:
Diese Formulierung erweckt den Eindruck, als habe sich der Pfarrgemeinderat verärgert oder gar wütend gezeigt.
Richtig ist:
Der Pfarrgemeinderat hat durch sein Mitglied Hans-Jürgen Happe seine „Enttäuschung und Beschämung“ zum Ausdruck gebracht.

Nieheim, den 23.09.2016

gez.: Heribert Ester, Pfr.