Krankenseelsorge
 
Die Kranheit im Leben des Menschen
Der Leidensweg Jesu
Die Feier der Krankensalbung
Die Feier der Hauskommunion
Ein Gebet



Die Krankheit im Leben des Menschen

»Krankheit und Leiden gehören von jeher zu den schwersten Prüfungen im Leben des Menschen. In der Krankheit erfährt der Mensch seine Ohnmacht, seine Grenzen und seine Endlichkeit. Jede Krankheit kann uns den Tod erahnen lassen.
Krankheit kann zu Angst, zum Rückzug auf sich selbst, zuweilen sogar zu Verzweiflung und zu Auflehnung gegen Gott führen. Sie kann aber auch den Menschen reifer machen, ihm den Blick dafür öffnen, was in seinem Leben unwesentlich ist, so dass er sich dem Wesentlichen zuwendet. Sehr oft führt Krankheit zur Suche nach Gott, zur Rückkehr zu ihm.«


Katechismus der Katholischen Kirche, 1500-1501


Der Leidensweg Jesu

Zu den eindrucksvollen Höhepunkten einer Pilgerfahrt nach Jerusalem gehört der Gang über die »Via Dolorosa«, d. h. über den Schmerzensweg, den Jesus nach alter Überlieferung vom Haus des Pilatus bis nach Golgota mit seinem Kreuz gegangen ist. Fast jeden Tag kann man in Jerusalem heute einzelne Pilger oder Pilgergruppen sehen, die schweigend oder betend, manche sogar mit einem Kreuz auf den Schultern, diesen Weg Jesu nachgehen. Sie versuchen, sich in das Leben des Herrn zu versenken und das Wort des Herrn zu meditieren: »Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.« (Mt 16,24).

Sein Kreuz auf sich nehmen, das ist eine harte Forderung. Wer krank, gar schon länger oder gar unheilbar krank ist, weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das fällt. Ein Außenstehender, ein Gesunder hat da leicht reden. Aber Jesus war ja kein Außenstehender. Er wusste, wovon er sprach. Er hat das Kreuz selbst getragen. Er wurde ans Kreuz genagelt und konnte sich nicht mehr frei bewegen, ähnlich wie viele Kranke und alte Menschen ans Bett oder an den Rollstuhl gefesselt sind und sich nicht mehr frei bewegen können. Jesus hat am Kreuz bis zuletzt Schmerzen und Qualen erduldet, wobei die körperlichen Schmerzen noch die geringsten waren. Viel schlimmer war sein seelischer Schmerz angesichts des Unglaubens und der Herzenshärte der Menschen. Ja, er musste die Schuld der Welt am Holz des Kreuzes tragen. Und das Allerschlimmste: Das Bild des Vaters in seinem Herzen verdunkelte sich; er musste auch noch die schlimmste Form der Einsamkeit durchleiden, die Gottverlassenheit: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Mt 27,46; Ps 22,2).

Wer sich den Kreuzweg Jesu vor Augen stellt, weiß, dass sein Wort von der Kreuzesnachfolge kein wohlfeiler Rat von oben herab ist. Jesus will uns auch damit sagen: »Schaut auf mich, ich gehe euch voran. Von meinem Kreuz geht eine Kraft aus, die tragen hilft!»

Jesus hat das Leiden nicht gesucht. Er hat im Garten Getsemani gebetet:

»Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber! Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.« (Mt 26,39).

Auch wir Christen sollen, wenn wir es können, Leiden und Schmerzen aus dem Weg gehen oder sie lindern. Alle sind aufgerufen, sieh der Kranken und Leidenden anzunehmen, und zwar weltweit. Es gilt, so weit wie möglich Krankheiten zu bekämpfen, zu heilen und Schmerzen zu lindern. Dies sagt uns schon das Gebot der Nächstenliebe; und Jesus hat es selber in göttlicher Vollmacht getan.

Aber wenn Leiden unausweichlich wird, dann sagt uns die Botschaft vom Kreuz, dass dies kein Stein ist, der uns zu Boden drückt; keine Fessel, die uns zu Sklaven degradiert; dann sollen wir es als das Kreuz betrachten, welches uns gegeben wurde, um dem Herrn nachzufolgen.

Eine mittelalterliche Legende erzählt, wie Gott einmal Erbarmen hatte mit einem Menschen, der sich über ein zu schweres Kreuz beklagte, das gerade ihm auferlegt worden sei. Gott führte ihn in einen großen Raum, wo alle Kreuze der Menschen aufgestellt waren, und sagte zu ihm: »Wähle dir selbst dein Kreuz!« Der Mensch machte sich auf die Suche. Er sah ein ganz kleines Kreuz, aber als er es aufheben wollte, war es schwer wie Blei. Dann erblickte er ein anderes, das ihm leicht zu tragen schien. Aber als er es auf seine Schultern legte, spürte er gerade an der Stelle, wo es auflag, einen Dom, welcher schmerzhaft ins Fleisch eindrang. So hatte jedes Kreuze in dem Raum etwas Schmerzhaftes und Unangenehmes. Fast alle Kreuze hatte er ausprobiert, und nichts für ihn Passendes hatte er bisher gefunden. Schließlich entdeckte er eines in einer Ecke, welches er übersehen hatte. Er hob es auf und siehe da, es war für ihn nicht zu leicht und nicht zu schwer, es war gerade richtig. Als er es näher betrachtete, erkannte er, dass es das gleiche Kreuz war, das Gott ihm von Anfang an gegeben hatte. Auf ihm lag der Glanz der Verklärung.


nach: Heinrich Engel, Gottes Wort im Kirchenjahr 1996, Band 2, S. 231f


Die Feier der Krankensalbung

Wie das Evangelium berichtet, kamen die Kranken zu Jesus und baten ihn um Heilung. Er, der für uns so viel gelitten hat, ist jetzt mitten unter uns.

Durch den Apostel Jakobus hat er uns aufgetragen: »Ist einer von euch krank, dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich. Sie sollen über ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das Gebet aus dem Glauben wird den Kranken retten, und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.«

Seit alters her folgt die Kirche diesem Wort des Apostels. Die Sorge die Kranken ist eine wichtige Aufgabe der christlichen Gemeinde. Krankenhäuser und Hospize entstanden als erstes im Bereich der Klöster und der Kirchengemeinden. Noch heute sind viele Krankehäuser in kirchlicher Trägerschaft. Bis in die 70ger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, konnte die Kirche sogar den Dienst leisten, dass ein Gemeindepriester die Kranken seiner Gemeinde zu Hause oder im Krankenhaus besuchte. Dies ist heute bei zunehmendem Priestermangel so nicht mehr zu leisten.
In vielen Gemeinden und Krankenhäusern wird der Besuchsdienst von engagierten Gemeindemitgliedern geleistet.
Dennoch versuchen wir dem Wunsch nach persönlicher Begleitung von Kranken soweit wie möglich nachzukommen, besonders wenn es um die Betreuung eines Menschen geht, der für längere Zeit oder gar für immer bettlägerig ist oder aus gesundheitlichen Gründen das Haus nicht mehr verlassen kann. In diesem Fall besteht die Möglichkeit zur monatlichen Hauskommunion.

Bei ernster Erkrankung oder z. B. vor einer Operation besteht auch die Möglichkeit, das Sakrament der Krankensalbung zu empfangen. Diese spendet immer der Priester. Die Krankensalbung ist nicht - wie man es früher verstand - ein "Sterbesakrament", das man möglichst kurz vor dem Sterben empfing und das deshalb im Volksmund "Letzte Ölung" genannt wurde. Es geht vielmehr um Situationen von Krankheiten, die einen besonderen Einschnitt ins das Leben des Menschen bedeuten.
Die trifft zum Beispiel in der Regel nicht für eine winterliche Grippe zu. Auch sind Schwangerschaften oder das Alter keine Krankheiten.
Aber Unfälle, eine entdeckte Krebskrankheit oder ein positiver HIV-Befund können Anlass für den Empfang der Krankensalbung sein. Die Krankensalbung ist nicht Vorbereitung auf das Sterben sondern soll den Kranken in einer schwierigen Lebensphase stärken.
So heißt es in einem Gebet zur Krankensalbung:

Herr, du bist der Erlöser aller Menschen;
in deinem Leiden hast du unsere Schmerzen auf dich genommen
und unsere Schwachheit getragen.
Wir bitten dich für unseren kranken Bruder/unsere kranke Schwester.
Richte ihn/sie auf, durch die Hoffnung auf dein Heil
und sei ihm/ihr Halt in seiner/ihrer Krankheit.
Der du lebst und herrschest in alle Ewigkeit.

Um es ganz banal zu sagen: Ein Christ kann auch "in den Himmel kommen", ohne jemals die Krankensalbung empfangen zu haben. Sie ist keine "Eintrittskarte in den Himmel", wohl aber Ausdruck des gelebten Glaubens, Zeichen für das Vertrauen, das der Mensch auf Gott richtet und Zeichen der Zusage Gottes, dass er in allem - was auch geschehen mag - diesen Menschen nicht aus seiner Liebe entlassen wird.

Wenn Sie wünschen, die Krankensalbung zu empfangen, setzen Sie sich bitte rechtzeitig mit einem Priester in Verbindung.


Die Feier der Hauskommunion

Für Gemeindemitglieder, die wegen ihres Alters, wegen körperlicher Gebrechlichkeit oder einer Krankheit nicht mehr die Gottesdienste der Gemeinde mitfeiern können, besteht die Möglichkeit der monatlichen Hauskommunion. Informationen hierzu erteilt Ihnen das Pfarramt.

Damit die Betroffenen häufiger als einmal im Monat die hl. Kommunion empfangen können, suchen wir noch Mitglieder aus der Gemeinde, die als "Kommunionhelfer" diesen Dienst übernehmen und einem oder zwei Kranken nach dem sonntäglichen Gottesdienst die hl. Kommunion bringen.


Gebet

Herr, unser Gott!
Du hast deinen Sohn hinausgesandt in diese Welt mit keiner anderen Gewissheit,
als dass er leiden werde und sterben.
Er hat seine Sendung ausgeführt bis ans Ende,
und so ist er für uns eine Quelle des Lebens und der Freude geworden.
Wir bitten dich: Vollende unsere Freude und lass sichtbar werden,
dass er lebt, hier in unserer Mitte, und überall auf Erden.
Darum bitten wir dich durch ihn, Christus, unseren Herrn.