"Suchet den Herrn, so lange er sich finden lässt!"  

 

Jes 55,6

Altarverhüllung in der Fastenzeit 2003
  



 

Die Idee kam mir, als ich vor einigen Jahren die beeindruckenden Bilder von der Verhüllung des Reichstags in Berlin sah. Als wir dann in diesem Jahr Anfang des Jahres in einem Arbeitskreis der Frauengemeinschaft (kfd) die monatlichen Gemeinschaftsmessen besprachen, zeigte sich gleich das Interesse der Anwesenden an der Durchführung einer Verhüllung des Ambo, von dem aus der Gemeinde das Wort Gottes verkündet wird, des (neuen) Hochaltars, an dem die Gemeinde sich zum Heiligen Mahl versammelt, und des Retabelaltars, auf dem seit der letzten Renovierung der Kirche im Jahr 1991 das Lektionar nach der Verkündigung des Evangeliums für alle gut sichtbar abgelegt wird.

Die Verhüllung der Altäre während der Fastenzeit hat eine lange kirchliche Tradition. Bereits in den "Consuetudines" der italienischen Benediktinerabtei Farfa aus der Zeit um das Jahr 1000 wird das Fastenvelum vor dem Altar erwähnt. Der Brauch zieht sich durch das gesamte Mittelalter. Die Altarverhüllung in der Fastenzeit galt als Bußübung der Gläubigen: Der Blick auf den Ort, an dem das Opfer Christi gefeiert wird, wurde entzogen. Die Entfernung des Fastentuchs vor der Osternacht verdeutlichte, dass Christus wieder unverhüllt in göttlicher Herrlichkeit vor den Menschen steht, dass er den Himmel geöffnet und die Blindheit des Herzens weggenommen hat, die hinderte, das Geheimnis seines Leidens zu verstehen.

Dieser Brauch war im Laufe der Jahrhunderte verkümmert zu einem einfachen Verhüllen der Kreuze am Passionssonntag, das wir in der Form noch kennen.
Am Aschermittwoch wurden die Gottesdienste zur Austeilung des Aschenkreuzes unter das Wort des Propheten Jesaja gestellt, wo es heißt: "Suchet den Herrn, solange er sich finden lässt." Gottes Nähe zu suchen nicht erst in "bösen Tagen", dafür konnte den Besuchern der Nieheimer Pfarrkirche die Verhüllung der Altäre und des Ambos im Jahre 2003 ein mahnendes Bild sein.

 

Heribert Ester